Lebst du schon?

Der Mai war voll von Vorbereitungen. Der Juni, der Juli und der August waren voll von A. Und am letzten Tag seines Besuchervisums sind wir zusammen in den Flieger gestiegen. Das haben wir vorher auch noch nicht gemacht. Inzwischen bin ich schon fast in Narok angekommen und verlasse die Stadt morgen gleich wieder, um A. in Nairobi und seine Familie im Westen zu besuchen. Aber zuvor will ich diesen Blog wieder beleben, und zwar mit einer Geschichte übers Wohnen. Wohnen tue ich nämlich eher noch nicht in meinen leeren zwei Zimmern, die mir viel zu groß und viel zu nobel vorkommen, an die ich mich aber unterbewusst schon gewöhnt habe. Leben tue ich schon: Ich habe den Staub von der Straße an diesen fiesen Stellen zwischen Knöchel und Achillessehne, und ich trinke Soda vor dem Kiosk, und ich schlafe unter meinem Moskitonetz, während draußen die Diskobässe von ferne scheppern. Und ich freue mich über die Vögel innerhalb und außerhalb des Gartens der Wohnanlage. Und ich weine manchmal, und lache, vor allem mit dem Pförtner. Und ich habe Hunger. Gestern zum Beispiel ging ich deswegen in ein hotel mit dem Namen Ikea. Ich ging eigentlich nur wegen des Namens hin. Und wegen des Hungers. Der Name erinnerte mich daran, wie A. und ich mit sieben Solarlampen beladen durch das schwedische Möbelkaufhaus gingen und diese anschließend im Gepäck verstauten. Eine davon leuchtet jetzt auf meine Tastatur. Der Hunger erinnerte mich daran, mich für Vegetable Curry zu entscheiden. Es kostete 300 Shillings, und ich fragte die Bedienung, ob das der normale Preis sei oder die Touristenkarte. Sie lachte und sagte, das sei nun mal so. Ich habe nämlich anderswo schon für ein Zehntel Mittag gegessen. Aber in Narok tanken die Besucher des Nationalparks zum letzten Mal, oder sie decken sich mit Souvenirs ein. Entsprechend sind die Preise. Mein Vegetable Curry war dann eher kabichi mix, eine Mischung verschiedener Kohlarten, und ordentlich Chili drüber. Die Bedienungen, die Platten voller Fleisch oder schwarze Plastiktüten mit chips for take-away hin und her trugen, trugen tatsächlich gelbe Polohemden mit dem blauen Ikea-Schriftzug. Nach dem Essen ging ich zurück in die Wohnanlage, durch das Tor, zu meinem Haus, in meine beiden leeren Zimmer, wo ich lebe.

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