Veränderungen

Heute morgen haben sie angefangen, die Holzkonstruktion, in der Mama Brian Gemüse und Bohnen verkauft, auseinander zu bauen. Mama Brian ging lachend herum und holte Kisten mit Gemüseabfällen aus dem Kiosk, das schon kein Dach mehr hatte. Ich höre die Hammerschläge und wenn ich aus dem vorderen Fenster sehe, kann ich die sechs Männer beobachten, die die Konstruktion wieder zusammenbauen, nur größer, während Mama Brian mit einem Baby auf dem Rücken die Töpfe mit kochenden Bohnen kontrolliert, die vor der Baustelle auf Kohlekochern brodeln.

Wenn ich hinten aus dem Küchenfesnter sehe, sind da andere Männer, die den grauschwarzen, lehmigen Boden der Straße aufhacken. Drei von ihnen stehen hüfttief in dem Graben und beratschlagen und bücken sich, versuchen irgendwas von da unten herauf zu heben, aber es klappt noch nicht. Wahrscheinlich arbeiten sie an der Wasserleitung.

Vorher hörte man Klimpern und Trommeln und Gesänge, und ich dachte zuerst, es sei ein Kirchenumzug, aber dann kam die Parade näher und ich sah die Leute in orangefarbenen T-Shirts. Sie machen Werbung für ODM, die Partei des Premierministers. Es ist Wahlkampf, in weniger als fünf Wochen finden die Präsidentschaftswahlen statt, und keiner weiß, ob sie in Gewalt versinken, wie die letzten Wahlen vor fünf Jahren, oder ob sie als großer Triumph der Demokratie in die Geschichte eingehen.

Und nicht zuletzt bin ich letzte Nacht vom Regen aufgewacht. Es nieselte auf die stille Stadt. Deswegen nutzen wir nun andere Wege, denn unsere gewöhnliche Route ist nicht mehr so einfach passierbar, weil sich in ihrer Mitte große braune Pfützen aufgetan haben. Der Hauptstadt stehen die kalten Tage bevor mit ähnlichen Regenschauern wie dem, in den wir gestern auf dem Weg zur ibliothek geraten sind und vor dem wir uns nur unter einer Tankstelle wartend in Sicherheit bringen konnten. Im Radio laufen nun Modetipps, die sich auf Gummistiefel beziehen, und auch ich werde mir meine Stiefel vom Dorf schicken lassen, weil sie dort keiner benutzt. Denn wenn ich richtig gehört habe, verursacht die anstehende, kleine Regenzeit in Narok nicht nur Pfützen in der Straßenmitte, sondern massive Überschwemmungen. Und ich kann mir gut vorstellen, welche Schlammströme starker Regen aus den Staubpisten in Narok machen kann.

All diese Veränderungen kommen nicht ganz unerwartet. Irgendwo im Hinterkopf haben sie schon lange mit ihrer Ankunft gedroht. Wir sind nur alle immer viel zu beschäftigt, uns rechtzeitig an sie zu erinnern.

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