Heldentag

Gestern war Mashujaa-Day, der Tag der Helden. Ursprünglich feierte man den ersten kenianischen Präsidenten Jomo Kenyatta am 10. Oktober und ein paar Tage später den zweiten, Daniel Arap Moi. Aber man merkte schnell, dass da noch mehr Präsidenten nachkommen würden und die nicht alle einen eigenen Feiertag haben können. Also feiert man die Nationalhelden alle zusammen an einem Tag. Dazu hatten wir einen Chorauftritt im Unterhaltungsprogramm des Feiertagsprotokolls im Stadion. Nachdem ein paar Schulen Musikspiele und Maasai-Tänze aufgeführt hatten, sangen wir drei Lieder. Unter anderem „We are celebrating today. We are rejoicing today, enjoying the peace prevailing. We are happy with our government under the leadership of our president. We are happy in this country of Kenya, my motherland.“ Es hat unglaublichen Spaß gemacht zu singen. Schon meine Mutter hat herausgefunden, dass es der  Integration in eine neue Gegend sehr zuträglich ist, wenn man sich gleich einen Chor sucht. Und sie hat recht: Wo man singt, kann man sich ruhig niederlassen. Die Chorleute sind schnell meine Freunde geworden. Aber ich musste noch aus einem anderen Grund breit lachen, während ich gesungen habe. Ich fand es unglaublich ironisch. Kann man mit einem Präsidenten und einer Regierung zufrieden sein, denen ein horrendes Defizit an Führungsqualität angerechnet wird? Kann man das vor einem hochkarätigen Regierungs- und Verwaltungspublikum ernsthaft singen? Wir konnten. Und wir mussten nicht mal die Finger kreuzen dabei. Denn wir hatten Spaß, und wir haben gefeiert. Vielleicht nicht so sehr den Präsidenten (weder den kenianischen, noch den deutschen), aber uns, und unseren Auftritt, und unseren Zusammenhalt, und unsere schicken Uniformen, und vielleicht auch ein bisschen die 200 Schilling und die Cola, die wir hinterher bekamen.

Es ist wohl schon eine ausgelutschte Phrase, dass dieser Tag für alle Helden der Nation da ist, nicht nur für Kenyatta, Moi und Kibaki. Ich feiere also die Helden, die aus Freude über ihr Land singen, und die stolz auf ihre Herkunft sind. Und die, die sich weigern zu singen, weil sie die Heldengesänge als Lügen und Fassaden entlarvt haben. Die Helden, die für ein besseres Land aufstehen und die Helden, die sitzen bleiben, die Fassaden nehmen wie sie sind, und dann nach Hause gehen und ihren Alltag leben. Die Helden, die laut sind, protestieren, und, wenn es sein muss, das Land verlassen und damit den Zurückbleibenden ein Zeichen setzen. Und die Helden, die zu den Zurückbleibenden gehören, den Gehenden zuhören oder sie ignorieren, die ihnen nachfolgen, sie in Erinnerung behalten oder sie vergessen. All die Heldinnen und Helden, die gestern Abend im Club Dallas saßen, tranken und irgendwann tanzten, noch nicht an den heutigen Kirchentag dachten und schon gar nicht an den morgigen Arbeitstag, die sich einfach nur selbst als Helden feierten.

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