Na hiyo ndiyo maendeleo

Nach dem letzten Test des Semesters ging ich mit meiner Klassenkameradin vom Campus runter Richtung Stadt, nach Hause. Es war heiß und wir gingen langsam. Ich war ganz euphorisch und erzählte ihr von meinen Weihnachtsplänen. Sie hatte sich das alles noch nicht überlegt. Heilig Abend war nur noch drei Tage entfernt. Ich würde viele Filme ansehen, viel lesen, viel kochen und noch mehr essen. Sie überlegte es genau in dem Moment, dass sie ihre beiden Kinder wohl für ein paar Tage besuchen würde, die schon eine Weile auf dem Land bei Oma waren. Aber dann müsste sie bald zurück kommen, schließlich habe sie einen Haarsalon und die Feiertage seien ein gutes Geschäft. Die Wolken ballten sich auf einer Seite des Horizonts zusammen, aber wenn nicht der ganze Himmel über Narok komplett dunkelgrau bewölkt ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es nicht regnen wird. Sie sagte, Regen täte ihrem Feld gut, dann könne sie umgraben. Sie ezählte von ihrem Traktor und dem Fahrer, den sie für solche Zwecke anstellt. Und sie versprach, Fotos von ihren Kühen, Ziegen und Schafen zu machen, damit ich sie mal sehen kann.

Wir kamen an der kleinen Schule vorbei, wo ein paar Kinder kichernd schaukelten. Sie sagte: “Now I can see, Narok is really developing. Can you see these children just playing and enjoying themselves. And can you see how the town reaches even to that other side? It is really developing.”

Als ich nach Hause kam, in meine schicke, eingezäunte Wohnanlage mit Springbrunnen, gab es kein Wasser. Jemand hatte die Leitung sabotiert.

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Meilensteine

Die Lehrerin für Project Management and Leadership ist jung und lässt ihre Dreadlocks zu schönen Frisuren flechten. Sie trägt dezente Kleidung und meistens dunkelrote Schuhe. Wenn sie spricht, kommt das s manchmal unscharf aus ihrer ansonsten wohl geformten, reichen, englischen Sprache. Ihr Unterricht hat eine mir ersichtliche Struktur, eine Seltenheit in diesem ersten Semester. In der letzten Stunde, in der sie den Stoff abschloss, erklärte sie uns, was wir für das final exam über Strategisches Projektmanagement wissen müssen. Ein wichtiger Punkt dabei ist jede Art von Plan und Evaluation und Monitoring und Meetings, am besten bei der Erreichung der Meilensteine. Sie machte eine Pause und meinte, es klinge ja sehr komisch, von Meilensteinen zu reden, aber so hieße das nunmal. Das seien keine Hindernisse, oder Steine, die einem in den Weg gelegt werden. Ganz im Gegenteil seien Meilensteine kleine, gesetzte Ziele und Fortschritte, die erreicht wurden. Aber auch sie fände es komisch, dass man solche erfreulichen Ergebnisse Meilensteine nenne. Ich meldete mich. Sie kennt meinen Namen, wie die meisten der Lehrerinnen. Ich erklärte, dass Meilensteine am Wegrand stünden, früher, an alten Straßen, anstatt Schildern, und die Entfernung anzeigten. Je mehr Meilensteine man also passiert habe, desto weiter sei die Reise fortgeschritten und desto näher sei man dem Ziel. Lächeln. Erkenntnis. Ach so… seht ihr: Es macht einfach selten Sinn, oder zumindest stiftet es Verwirrung, wenn man einfach so Konzepte aus dem Westen übernehme. Das könne ja nicht immer verständlich sein. Während die Leute da die Entfernungen in Meilen messen, haben wir hier Kilometer. Jetzt wird mir das endlich klar. Danke für die Erklärung, Laura. Gerne. Danke für die erkenntnisstiftende Situation und die Offenheit und die Verwunderung, die auch mir die Augen öffnet.