Wahlnachbarn

Vor einer Weile sind gegenüber viele Leute eingezogen. Seitdem riecht es nach Räucherstäbchen. Das finde ich angenehm. Außer wenn die Frau, die in dem großen Haushalt das Sagen zu haben scheint, Pfannkuchen macht. Dann riecht es zuerst nach Kohle und dann nach Pfannkuchen. Dass sie während der Wahlen nicht gegenüber wohnten, habe ich an zwei Dingen gemerkt: Ich höre keine Frauen mehr rufen oder schreien oder laut diskutieren. (Nur die Amerikanerin auf der anderen Seite telefoniert weiterhin stundenlang und lautstark mit ihrem Handy außerhalb ihres Hauses.) Und die Wäscheleinen hinter dem Haus (auch die, die für mich gedacht ist) hängen nicht mehr täglich voll mit weißen Unterhemden und großen bunten Tüchern.

Nun sind nur noch zwei junge Männer dort, die ich vorher nicht bemerkt hatte. Einer brachte neulich abends sein BlackBerry rüber, mit der Bitte, es an meinem Laptop aufzuladen. In seiner linken Backe kaute er auf einem Knäuel von Miraa-Blättern.

Unsere Küchenfenster sind genau gegenüber. Als wir neulich viele Besucher hatten und kein fließend Wasser, machte ich den Abwasch, und während das Wasser aus dem Eimer in meiner Plastikschüssel plätscherte, klapperte es auch gegenüber in der Spüle.

Wenn diese Wahlen vorbei sind – und wir warten auf das Ergebnis, dass heute noch verkündet werden soll – werden die lauten Frauen wieder zurück kommen, und es wird wieder nach Räucherstäbchen oder Pfannkuchen riechen, und ich werde in die Normalität zurückkehren, wie es sich derzeit wohl die meisten Kenianer wünschen.

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