Ströme

Seit ein paar Wochen sind wesentlich mehr Touristen auf der Hauptstraße unterwegs als zuvor. Sie werden in diesen Safaribussen gefahren, die hinten eine lange, schwankende Antenne haben, die mit Tennisbällen fixiert ist.
Ich fühle mich überhaupt nicht wie ein Tourist. Schließlich bin ich Student hier. Manchmal vergesse ich sogar, dass ich in Kenia bin, und dann wird es mir nach einer Weile umso stärker bewusst. Manchmal nervt es, mit den Touristen in einen Topf geworfen zu werden. Gestern wollten mir zwei Straßenjungs nicht abnehmen, dass ich in Narok studiere. Eine Couchsurferin, die zu Besuch kam, fiel beinahe vom Stuhl als ich ihr erzählte, dass ich noch nie im Maasai Mara war.

Jedenfalls fließt da wohl ziemlich viel Geld die Straße entlang, aber ich habe das Gefühl, dass nicht besonders viel davon in der Stadt selbst hängen bleibt. Ein paar Restaurants, Banken und Tankstellen am Straßenrand profitieren wohl, und manche Leute können vermutlich Perlenschmuck verkaufen. Aber weiter ins Stadtinnere als bis zum Supermarkt, jenseits der Hauptverbindungsstraße, kommen die wenigsten. Umso angenehmer ist es da für mich zu sehen, dass dort ein eigenes Stadtleben existiert. Dort kann man billiger Essen gehen und die Bedürfnisse der Lokalbevölkerung werden hier erfüllt. Die Leute hängen zumindest nicht komplett vom Tourismus ab.

Das ist ganz anders als an der Küste, wo die Bootsfahrer und Restaurantinhaber uns geradezu angefleht haben, ihren Service in Anspruch zu nehmen, weil sie so sehr vom Tourismus abhängen, und da gerade extrem wenige Touristen vor Ort waren, hatten sie Schwierigkeiten, überhaupt zu einem Einkommen zu kommen. Der Gegensatz war enorm. Auf der einen Straßenseite verdeckten hohe Mauern die Aussicht auf luxuriöse, menschenleere, Reisekatalog-Hotelanlagen. Auf der anderen Straßenseite warteten die Leute vom Ökotourismus-Projekt auf Kundschaft. Ohne Touristen keine Arbeit, kaum Leben.

Es fällt mir schwer, nicht generell abwertend über die Safari-Touristen zu denken. Als wäre meine Art des Lebens in Kenia irgendwie besser oder authentischer. Ich übe also, immer, wenn so ein Safari-Shuttle oder ein Landrover voller Weißer an mir vorbeifährt, sie nicht überheblich zu ignorieren (denn in Wirklichkeit sehe ich sie mir ja doch aus den Augenwinkeln an wie fremde Tiere im Zoo). Ich stelle mir vor, dass durchaus nicht alle Touristen sind, es kommen ja auch Geschäftsleute, Forscher und Leute, die für Organisationen arbeiten. Vielleicht fahren sie Freunde besuchen. Vielleicht ist eine unter ihnen, die dort die Liebe ihres Lebens finden wird oder einer, der ein Projekt aufbauen will, von dem die Leute profitieren werden. Nicht urteilen. Nicht homogenisieren. Klingt wie ein Anti-Rassismus-Seminar. Und folgendes klingt wie ein Rat von Buddha: Liebe senden.

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